Interview: „Sport und Bewegung sind ein wichtiger Gesundheitsmotor“

Herr Niessl, als „Sport Austria“-Präsident sind sie das Sprachrohr der 15.000 Sportvereine in Österreich. Ist die Sportausübung auch in Zeiten von Omikron sicher?
Davon bin ich überzeugt. Im Sport gibt es so gut wie keine Cluster. Auch jetzt noch nicht. Daten zufolge wurden vor Omikron 0,1 Prozent der Infektionen im Sportverein verursacht. Das ist eine verschwindend kleine Zahl, wenn man sie dem Nutzen, den Sport und Bewegung bringen, gegenüberstellt.
Welche sind das?
Die körperliche und psychische Gesundheit junger Menschen sowie die Stärkung des Immunsystems. Durch die Pandemie gibt es zahlreiche Kollateralschäden. Etwa die wachsenden psychischen Probleme junger Menschen. Und natürlich den Bewegungsmangel, der dramatische Langzeitfolgen haben wird.
Omikron verbreitet sich rasend schnell. Sollen die Vereine dennoch weitermachen wie bisher?
Es gibt gute Sicherheitskonzepte, an die sich alle halten. Letztlich müssen Virologen und Psychologen abwägen, ob für Kinder die Folgen einer Infektion oder die Folgen von Sport-Lockdowns schwerer wiegen. Mir ist wichtig, dass der Sport als wichtiger Gesundheitsmotor auch weiterhin anerkannt wird. Hier gilt es genau zu analysieren, ob die Einschränkungen im Sport notwendig waren beziehungsweise was sie tatsächlich gebracht haben. Etwa im Vergleich mit Schweden, wo es gar keinen Lockdown gab.
Etliche Funktionäre sind ob der Pandemie ausgelaugt. Bekommen sie genug Unterstützung für die zusätzlichen, meist sehr bürokratischen Aufgaben?
Die Vereine und die unzähligen Funktionäre, Trainer und Betreuer sind im Laufe der Pandemie über sich hinausgewachsen. Sie haben dafür gesorgt, dass die Vereine sichere Orte der Freude und Bewegung sind. Alle halten sich sehr diszipliniert an die Verordnungen. Für eine Aufwertung des Ehrenamtes und Anreizsysteme trete ich vehement ein.
Was kann akut getan werden, um den Vereinen im Betrieb zu helfen?
Ein großes Thema ist die 25-er-Regel, die den Breitensport in vielen Bereichen lahmlegt. Insbesondere Ballsportarten sind betroffen und in ihrem Betrieb stark eingeschränkt. Diese Regelung muss rasch an die sportartenspezifischen Gruppengrößen angepasst werden, damit Spiele und Turniere wieder stattfinden können.

Autor: Krone E-paper