Finale im Ostliga-Skandal

„Anpfiff“ für Mega-Prozess um Wettbetrug bei manipulierten Fußballspielen in der Ostliga: 15 Ex-Kicker sollen 200.000 Euro Schaden verursacht haben. Nur zwölf Angeklagte kamen.

Auf der Anklagebank statt auf der Spielerbank nahmen gestern in Graz zwölf (Ex-)Kicker Platz. Sie sollen laut Staatsanwaltschaft die „wohl größte organisierte Fußball-Manipulation“ samt Wettbetrug der letzten Jahre durchgezogen haben.
Provozierte Eckbälle, nicht ganz unfreiwillige Eigentore oder bewusstes Tore-Kassieren: 19 Fußballspiele, vorwiegend der Regionalliga Ost, sollen 15 Männer zwischen März 2019 und November 2021 manipuliert und darauf gewettet haben. Unter anderem aber auch bei einem Freundschaftsspiel in der Steiermark, weshalb in Graz verhandelt wird. Neben den Ex-Spielern sind auch Hintermänner angeklagt, die die Wetten gesetzt haben. „Wenn einer seine Kappe aufgesetzt hat hieß das: Die Wette ist platziert“, erklärte Staatsanwalt Hansjörg Bacher Details des unsportlichen Vorgehens.

Einige bekennen sich schuldig, andere nicht
„Wir haben heute den Anpfiff zur zweiten Halbzeit“, führte der Ankläger im Fußballjargon aus, „die erste Halbzeit war das Ermittlungsverfahren – und die Beweislast ist erdrückend.“ Betrugsopfer sind laut Bacher Online-Wettanbieter. Die Schadenssumme belaufe sich auf knapp 200.000 Euro. Bei 88.000 Euro soll es „nur“ beim Versuch geblieben sein: Die Manipulationen gingen nicht auf.
Von den 15 Angeklagten erschienen gestern nur zwölf. Einer ist im Ausland untergetaucht, einer hatte die Anklage beeinsprucht, und einer habe vor wenigen Tagen die behördliche Anweisung zur „unverzüglichen Ausreise“ aus Österreich erhalten.
Einige der ehemaligen Spieler bekennen sich schuldig, andere wiederum plädieren auf unschuldig, wie die Riege an Verteidigern ausführte. Kritische Stimmen kamen von den Anwälten angesichts der scharfen Worte des Staatsanwalts, der die Ex-Spieler ob ihres unrühmlichen Verhaltens als „Parasiten“ bezeichnete. Aus seiner Sicht gibt es neben den Wettanbietern nämlich weitere Opfer: „Die Mitspieler, die sich den Haxen ausgerissen haben, die Fans, die Funktionäre. Wie müssen die sich fühlen?“
„Ich sehe hier keine Katastrophe, wie es die Staatsanwaltschaft bezeichnet. Es handelt sich um ganz normalen Betrug, Emotionen haben hier nichts verloren“, sagte einer der Juristen.
Der Mega-Prozess ist für fünf Tage angesetzt, erst nächste Woche dürften Zeugen aussagen.

 
Autor: H. Baumgartner – Krone E-paper